Kiefergelenkserkrankung

Die Krankheitsbilder der Kiefergelenke umfassen Muskelverspannungsbeschwerden (Myopathie), die Kombination von Muskel- und Gelenkerkrankungen (Myoarthropathie), Arthrosen der Kiefergelenke und degenerative Erkrankungen durch Systemerkrankungen wie zum Beispiel Rheuma.

Kiefergelenk

Das Kiefergelenk ist das komplizierteste Gelenk unseres Körpers. Der Unterkiefer bewegt sich täglich viele tausend Mal beim Sprechen, beim Kauen und Schlucken. Das Kiefergelenk ist ein Drehschaniergelenk. Dieses ist beim Menschen einzigartig. Die komplexen Bewegungen des Gelenkes sind jedoch sehr anfällig. Es bedarf einer optimalen Abstimmung der Gelenke, der Zahnflächen und der Kaumuskulatur für die Kau- und Essbewegungen. Eingebunden ist der Kauvorgang in einen umfangreichen Regelkreis, bestehend aus Nerven, Kaumuskulatur der Kiefer und Muskulatur von Gesicht und Nacken. Die Hauptaufgabe besteht darin, Funktionsstörungen in diesem Regelkreis frühzeitig zu erkennen, damit keine Langzeitschäden entstehen.

Durch die Funktionsanalyse lassen sich frühzeitig Störungen des Regelkreises aufdecken und durch geeignete therapeutische Maßnahmen behandeln.

Es bedarf einer sehr sorgfältigen Diagnostik, damit die Krankheitsbilder erkannt bzw. gegen andere Krankheitsbilder abgegrenzt werden können. Viele Beschwerden werden falsch auf das Kiefergelenk projiziert.

Zu einer der häufigsten Erkrankungen des Regelkreises gehört das Zähneknirschen. Überwiegend nachts kommt es zum Pressen und Knirschen mit den Zähnen. Es besteht eine permanente Anspannung der Muskulatur ohne Ruhephase. Die Hauptursache ist in der Verarbeitung von Stress zu sehen. Bei der Therapie kommen in der Regel Kunststoffschienen zum Einsatz, die neben der Entlastung der Muskulatur auch zum Schutz der Zähne dienen, so dass nicht weitere Kauflächen zerstört werden. Neben der Schienentherapie sind häufig physikalisch unterstützende Maßnahmen zu empfehlen.

Neben dem Zähneknirschen wird häufig das Gelenkknacken von den Patienten als unangenehm beschrieben. Dabei kommt es zum Abspringen einer Gelenkscheibe; diese entspricht dem Meniskus am Knie und ist an Bändern aufgehängt. Eine Erschlaffung des Bandapparates hat zur Folge, dass dieser Diskus von dem Gelenkkopf bei der Bewegung abspringt und im Weiteren wieder auf den Gelenkkopf zurückkehrt. Diese Bewegung der Gelenkscheibe wird von den Patienten als Knacken wahrgenommen.

Wenn sich die Gelenkscheibe nicht zurück auf den Gelenkkopf führen lässt, kommt es zu einer Einklemmung, so dass die Mundöffnung gesperrt ist. Es ist dann nicht möglich, die Zähne normal aufeinander zu stellen. In diesem Fall ist umgehend eine fachkompetente Praxis aufzusuchen, damit die normale Position von Gelenkscheibe und Gelenkkopf wiederhergestellt werden kann. Tritt dieses Leiden häufiger auf, ist zusätzlich dringend eine Schienentherapie zur Entlastung der Gelenkstrukturen erforderlich.

Andere Erkrankungen des Kiefergelenkes, wie insbesondere Zerstörungen an der Gelenkscheibe mit Einriss oder Abriss von Strukturanteilen, lassen sich nur durch weiterführende Maßnahmen therapieren. Sinnvoll ist hierbei eine Arthroskopie mit Spülung des Gelenkraumes. Gelenkchirurgische Eingriffe sind nur sehr selten ratsam.

Zu ca. 70 % lassen sich die Kiefergelenkerkrankungen durch nicht chirurgische Maßnahmen therapieren. Chirurgische Eingriffe am Kiefergelenk sind selten und werden nur nach sehr sorgfältiger Prüfung durchgeführt.

Störungen im Kausystem müssen daher frühzeitig durch die Funktionsanalyse und Therapie beseitigt werden. Störungen im Bereich der Zähne, des Kiefergelenks und der Muskulatur äußern sich zumeist erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium. Sie machen sich bemerkbar durch Knacken oder Schmerzen im Bereich der Gelenke, einer möglichen Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit, durch Stress bedingtes Zähneknirschen mit Muskelverspannung bis hin zu Kopfschmerzen, besonders im Schläfenbereich.

Zur Behandlung bieten sich nach Feststellung der Funktionsstörungen insbesondere die Schienentherapie und physikalische Maßnahmen an, mitunter ist aber auch die Neugestaltung der Kauflächen sinnvoll.

Funktionstherapeutische Maßnahmen führen selten zu einer raschen Linderung. In der Regel bedarf es einer langfristigen Therapie, um die zumeist schon länger auftretenden Beschwerden erfolgreich zu therapieren.